Kristian Thees

Der erfinderische Alltags-Erleuchter

Er macht die Menschen ein wenig glücklicher, die großen Stars ein wenig menschlicher und das Leben ein wenig heller. Dafür lieben die Hörer SWR3-Moderator Kristian Thees, der sogar seinem Kollegen Anno Wilhelm ab und an ein Tränchen ins Auge treibt. Kristian selbst liebt das Reisen, Sprachen und New York. Für eines aber brennt sein Herz ganz besonders: das Theater

Donnerstagabends gehe ich Fußball spielen. Das ist mein heiliger Termin und dafür lasse ich alles andere stehen und liegen. Aber ich erinnere mich an einen Donnerstag, an dem ich im Auto sitzen geblieben bin, obwohl ich den Rasen schon riechen konnte: Kristian Thees hatte einen Gast im SWR3-Studio, Jovanotti aus Italien. Jovanotti sang zusammen mit Salvatore, dem Hausmeister der italienischen Botschaft in Berlin, ein Lied von Adriano Celentano. Kristian hatte Salvatore am Tag zuvor angerufen, um herauszufi nden, wie man den Namen Jovanotti ganz genau ausspricht (wegen des »J«). Salvatore war aus dem Häuschen, er sagte: »Jovanotti ist bei uns so berühmt wie bei euch … vielleicht … Gunter Gabriel.« Kristian war von diesem Vergleich so begeistert, dass er Salvatore als Telefongast einlud. Und so sangen am Abend darauf Jovanotti an der Gitarre im Studio und Salvatore am Telefon von zuhause aus – er hatte schon Feierabend und wollte gerade zur Probe seines Kirchenchors. Jovanotti war glücklich, Salvatore war glücklich. Und ich ging mit einer Träne im Augenwinkel Fußball spielen. Das passiert mir bei Kristian immer wieder: Er hat die Fähigkeit mit kleinen, feinen Ideen große Popstars für sich und die SWR3-Hörer zu gewinnen. Als Kind wollte Kristian Dolmetscher oder Moderator werden. Beides hat geklappt. Als Dolmetscher hat er ein Diplom der Universität Mainz in Englisch und Italienisch. Englisch für den Alltag hat ihm sein Lieblingsmoderator beim englischen Sender BFBS beigebracht. Dessen Show hat Kristian als Junge in Lübeck jeden Tag aufgenommen. Wenn er in der Schule war, musste seine Mutter ihren Vormittag so planen, dass sie alle sechzig Minuten eine neue Kassette für ihn einlegen konnte. Und weil er nicht nur zuhören, sondern auch selbst moderieren wollte, lötete Kristian einen Telefon-Lautsprecher auf sein Mischpult. Danach schickte er seine Schwester in das benachbarte Tennis-Center, wo sie vom Münzfernsprecher aus als Quizkandidatin in seiner eigenproduzierten Radioshow anrufen musste. Wenn ihr einmal selbst sehen wollt, welches Feuer Kristian in sich entfachen kann, dann müsst ihr ihn im Keller seiner ehemaligen Universität in Germersheim besuchen. Dort ist er Direktor, Regisseur und Hauptdarsteller in einer Theatergruppe, die mit Hingabe englische Stücke spielt. Um sich neue Ideen für sein Theater zu holen, tritt Kristian eine seiner gefürchteten Fernreisen an, auf denen er zum Beispiel in zehn Tagen in seiner Lieblingsstadt New York so gut wie gar nichts von der Stadt sieht, dafür aber 14 Theaterstücke. Das ganz Besondere an Kristian ist, dass er den Alltag zwischen solchen Höhepunkten nicht als grau und zäh empfi ndet, sondern dass er ihn feiert und dass er jeden einzelnen Tag zum Leuchten bringen will. Ihr könnt dabei sein, wenn er zum Beispiel abends in SWR3 Club in seiner Sendung »Weltberühmt in SWR3- Land« Menschen über die Besonderheiten ihres Wohnortes erzählen lässt. Oder wenn er gemeinsam mit Anke Engelke in »Wie war der Tag, Liebling?« nach den kleinen Schmuckstücken des Alltags sucht. Oder wenn er im »Gar nicht bösen Lesezirkel« mit seinen SWR3-Kollegen Bücher vorstellt. Oder, oder, oder, oder. Hört ihm unbedingt zu! Und wenn ihr gerne einmal mit dem Popstar eures Verlangens ein Duett singen möchten: Ihr wisst ja, wo ihr Kristian erreicht.

Ja, meine Familie hat viel leiden müssen …

… unter meiner Radioleidenschaft. Meine Schwester ist nicht nur ins Tennis- Center rübergelaufen, um Quizkandidatin am Telefon zu sein, sie musste auch Freundinnen akquirieren. Und meine Mutter hat tatsächlich Einkauf und Vormittagstennis danach geplant, wann sie Kassetten umdrehen musste (erscheint mir im Nachhinein unzumutbar). Mein Vater kaufte mir in Offiziersuniform Motörhead-Platten in der Großstadt und prophezeite mir, ich würde nicht älter als 30 werden, wenn ich so weitermache. Nur weil ich mitternachts aufstand, um die Kassette zu starten, da mein Lieblingsmoderator Nachtschicht hatte (und dann um 1 Uhr nochmal, um sie umzudrehen!).

Kristian Thees

SWR3 Das Magazin 8/2009