Trauer...

Rund 800.000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr. Aber irgendwie kriegt man das gar nicht mit. Und irgendwie kriegt man auch die Trauer der Angehörigen nicht mit. Bei 800.000 Verstorbenen im Jahr müssten doch auch mindestens 800.000 Menschen trauern. Aber man sieht sie nicht. An der Kleidung zum Beispiel sieht man die Trauer so gut wie nicht mehr. Fast nur noch auf den Dörfern werden schwarze Kleider als Zeichen der Trauer getragen. Und man spürt die Trauer auch oft nicht. Weil viele Menschen nicht trauern können. Weil sie sich keine Zeit dafür nehmen können oder wollen. Und manche trauen sich nicht zu trauern, weil es zu weh tut oder weil andere nicht damit zurechtkommen.


„ Du hast ein Recht auf deine Trauer. Du darfst dich deinen Verlusten widmen, musst nicht verdrängen, was dich beschwert. Du hast ein Recht, das abzutrauern, was dich so tief enttäuscht hat und was du nicht ändern kannst. Du hast ein Recht auf Deine Trauerzeit. Du hast ein Recht auf deine Tränen, auf dein Schweigen, auf deine Ratlosigkeit, auf deine innere und äußere Abwesenheit. Du musst nicht den Glücklichen spielen, nicht über den Dingen stehen. Du hast ein Recht, die wegzuschicken, die dich mit Gewalt aus deiner Trauer herausholen wollen, weil deine Trauer sie selbst bedroht. Du hast ein Recht auf deine Trauerstille. Du hast ein Recht, mit denen nicht reden zu wollen, die dir ein schlechtes Gewissen machen für deine Dunkelheit und Trauer. Die mit Sprüchen kommen und dich mit diesen Sprüchen unter Druck zu setzen versuchen.

Du hast ein Recht auf deine Trauer.“

Heute Morgen im Radio

18.11.2019 von Peter Kottlorz


"Giselli"

Aventurin Der Herr Kottlorz ist klasse! Ich habe dieses Jahr schon viele Trauernde gesehen und mit ihnen gesprochen. Habe das Gefühl, die Einschläge kommen näher, d. h. die Menschen sterben wieder früher. Im Bekanntenkreis ein junger Mann mit Anfang 30 und ein Familienvater einen Tag vor seinem 40ten Geburtstag, drei Kinder, alle unter 10 Jahren :-( - mich erschüttern diese Schicksale, man kann kaum Worte des Trostes finden.
· melden
andrea59 Trauern ist eine sehr wertvolle Zeit, die man nur so gestalten sollte, wie man ganz alleine das empfindet. Da gibt´s keine
*man sollte - oder eben nicht; oder kein Müssen oder Lassen* !

Man kann dabei viel über sich - und über andere erfahren.
Wenn man es zulässt ...
· melden
Giselli Ich danke euch für diese schönen Kommentare! Ja, ich habe auch das Gefühl, dass die Menschen früher sterben - besonders an Krebs, der viel häufiger auftritt als früher und dass schon bei Kinder, wie ich es erst selber in nächster Nähe erlebt habe.
· melden
Roana Ja, dieser Text ist klasse - und Andrea, du bringst es auf den Punkt! :-)
· melden
Der Kater Wenn man die Trauer nicht zu - sich - lässt, verliert man sich womöglich in Ersatzhandlungen. Umgekehrt kann man auch "auf der Trauer hängen bleiben". So bewirkt eine festgehaltene Trauer eine Depression ...
· melden
andrea59 Das ist dann auch beides nicht gut. Wohl dem, der trauern kann.
· melden
Roana Es gibt von allem ein „zu viel“ und ein „zu wenig“. Meine Beobachtung ist, dass in unserer Gesellschaft „Trauer“ eher ausgeblendet wird und sich viele Menschen schwer tun, mit Trauer und im Umgang mit Trauernden.
Trauer entsteht aber nicht nur im Zusammenhang mit Tod und wir trauern nicht nur um Menschen. Eine würdigende Trauer hilft uns, dem, worum wir trauern, im Leben einen guten Platz und Raum zu geben.
· melden
andrea59 Das stimmt. Oft tun sich die Menschen nicht direkt schwer damit, sie wissen nur nicht, wie damit umzugehen. Ich kann von mir aus sagen, dass ich es immer gut fand, wenn die Leute auf mich zukamen und mit mir redeten. War für mich viel besser als nix zu sagen. Aber das ist eben auch bei jedem anders.
· melden

Anmelden

Jetzt neu! Melde dich mit deinem Facebook- oder Google-Account an: Hilfe

Anmelden mit Google Anmelden mit Google

Passwort vergessen?Jetzt registrieren